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Tischsitten und Gebräuche. Andere Länder andere Sitten...


„Bei uns (in Sambia) essen wir meistens von einem gemeinsamen Teller und meistens mit den Händen und das ist sehr anders hier. Irgendwie gibt es eine gewisse Verbundenheit, wenn man von einem Teller isst. Das ist ein großer Unterschied für mich. In einigen Regionen in Sambia darf der Älteste zuerst nehmen, zum Beispiel wenn es Fleisch gibt. In anderen Regionen darf der Kleinste zuerst nehmen, weil man sagt, er braucht es am meisten. Es ist wichtig, die jeweils regionale Sitte zu kennen, weil es als sehr unhöflich angesehen wird, wenn man sich nicht an sie hält. Außerdem scheinen in Sambia viel mehr Leute vor dem Essen zu beten. Es ist einfach normal.“
Keith, 29 Jahre, lebt in Bonn

In Deutschland gilt es als normal mit Messer und Gabel zu essen und weltweit teilen noch 900 Millionen Menschen diese Tischsitte mit uns. Mehrheitsfähig ist sie aber nicht: Statt Besteck benutzen ca. eine Milliarde Menschen Stäbchen, z.B. in Japan oder China, aber vier Milliarden Menschen essen mit den Händen und dafür gelten zumeist strenge Regeln. Auch in Mitteleuropa ist die durchgängige Benutzung von Besteck noch nicht allzu lange der Normalfall: Erst vor 150 Jahren wurde die Gabel auch in Deutschland zur Massenware.

Die Art und Weise, wie das Essen rund um den Globus zu sich genommen wird, ist in vielerlei Hinsicht sehr unterschiedlich und betrifft nicht nur das Tischbesteck. Was bei Tisch „erlaubt“ und „verboten“ ist, ist eine Wissenschaft für sich und für Außenstehende nicht immer leicht zu durchschauen: In islamischen Ländern gilt z.B. Naseputzen bei Tisch als unhöflich. Das wird auch in asiatischen Ländern nicht gerne gesehen, allerdings ist schmatzen, schlürfen oder mit vollem Mund zu sprechen dort durchaus zulässig. Verschiedene Gebräuche gibt es auch hinsichtlich der Eröffnung und der Beendigung der Mahlzeit: ob gemeinsam mit dem Essen begonnen wird, wer sich zuerst nehmen darf und wann die Mahlzeit als beendet gilt – für all das gelten eigene Regeln. Der Brauch des Dankens (vor oder nach dem Essen) ist weltweit verbreitet und teilweise religiös geprägt. In christlichen Kulturen wird zumeist vor dem Essen gebetet oder gesungen. Einige Kulturen kennen eine „Opfergabe“ für die Ahnen oder die Geister, wie z.B. die Buddhisten. In Indien ist der Brauch verbreitet, Reis in die vier Himmelsrichtungen zu werfen.

Hattest du auch schon mal das unangenehme Gefühl, dich bei einem gemeinsamen Essen nicht ganz angemessen verhalten zu haben? Das wäre naheliegend, denn auch innerhalb einer Kultur unterscheiden sich die Gewohnheiten rund ums Essen. Und das gilt auch für Gruppenreisen – hier gelten bestimmte Regeln, nach denen gekocht und gegessen wird, die nicht für jeden gleich einsichtig sind, vor allem nicht, wenn jemand neu dabei ist. Es ist gut, sich die Gebräuche der eigenen Gruppe einmal genauer anzuschauen und darauf zu achten, dass das Essen ein gemeinsames Erlebnis ist, das niemanden ausschließt.

 

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